Regionale Ernährung mit dem Vitalkisterl

Und, war’s schwer? Das war wohl die häufigste Frage in der letzten Woche. Ja und Nein, sage ich dann immer. In vielen Bereichen war’s einfacher als gedacht, in anderen nahezu unmöglich. Es gab Überraschungen, Erkenntnisse und Einsichten. Und körperliche Auswirkungen. Aber alles der Reihe nach:

30 Tage regionale ernähren funktioniert – mit Abstrichen

 

Der Aufwand?

In der ersten Woche riesig. Das lag vor allem daran, dass ich möglichst viele regionale Betriebe kennenlernen wollte, was mich von Golling bis an die Grenze zu Oberösterreich geführt hat. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl nur noch im Auto auf dem Weg zum Einkaufen zu sitzen. Aber Spaß haben sie gemacht, die ganzen Besuche auf Bauernhöfen, in Metzgereien, beim Fischer und auf dem Biergut. Am Ende der ersten Woche war ich dann schon richtig gut organisiert und hatte einen Haufen guter Kontakte gesammelt. Heute weiß ich, es ist alles eine Sache der richtigen Organisation. Man muss die Öffnungszeiten der Hofläden und die Markttage im Kopf haben und sich richtige Einkaufstage einplanen. Und man muss über das regionale Angebot der Supermärkte informiert sein. Und man muss akzeptieren, dass es auch mal gerade was nicht gibt. Mein Wochenplan sieht jetzt in etwa so aus:

Mittwoch:       Hühner bestellen

Donnerstag:   Schranne (Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Eier, etc.)

Freitag:           Walser Bauern, Joglbauer, Schusterbauer, Europark Bauernmarkt oder Bauernmarkt Grödig, Fisch kaufen

Samstag:         Bauernmarkt Hallein oder Grünmarkt in Salzburg, Hühner abholen

Sonntag:         Hochbeet ernten (oder einfach mal die Lebensmittel aufbrauchen…)

Montag:          frisches Brot (Pföss, Itzlinger, Obauer, St.Peter) holen

Dienstag:        Lagerhaus oder Sparmarkt in Aigen

Mittwoch:       alles aufbrauchen

 

Übrigens: Viel Hilfestellung gab’s über die www.garantiert-regional.at Seite!

 

Regional kochen?

Überhaupt kein Problem. Verzichtet habe ich auf alle asiatischen Gerichte, dafür habe ich viel neues ausprobiert. Positiv überrascht war ich beim Thema Salz. Da bin ich inzwischen Fan vom Salzburger Natursalz. Abgegangen ist mir definitiv das Olivenöl. Ich bin zwar durchaus auf den Geschmack von gutem Rapsöl gekommen und habe mir ein herrliches Pesto mit Gartenkräutern, frischen Walnüssen und Walnussöl aus der Salzburg Ölmühle gemacht, aber ich geb’s zu: ich bin einfach ein Olivenölfan…

Beim Pfeffer habe ich eine wirkliche Ausnahme gemacht. Ich habe versucht so oft es geht Pfeffer durch Chili zu ersetzen, aber bei manchen Gerichten braucht es einfach die schwarzen Kügelchen. Zum Würzen kamen meine Gartenkräuter zum Einsatz. Da stehst Du bei manchen Gerichten natürlich irgendwann an (Zimt, Vanille, etc.). Aber nachdem hier auch das Salzburger Land Herkunftszertifikat eine Ausnahme macht, sehe ich das für die Zukunft nicht so dramatisch.

 

Neuentdeckungen?

Definitiv das Eis. Wenn man Wiener Zucker als regional akzeptiert, dann staunt man über das tolle Angebot an regionalen Eislieferanten, die sich vor allem aus heimischen Milchbauern zusammensetzen. Meine Highlights waren das Heidelbeer-Rosmarin Schafmilch-Eis vom Eisl, das Vanilleeis vom Höfinger und die vielfältige Auswahl vom Schmiedbauer aus Bad Vigaun und das Eis vom Schusterbauern. Alles extrem lecker.

Auch die Walser Melonen vom Dandlhof haben mich überrascht und mein Obstangebot definitiv erweitert.

Richtig begeistert war ich vom Putenfleisch vom Spittalergut. Ich meide normalerweise Pute eher, aber die hat mich echt überzeugt. Da lohnt sich sogar der Weg zum Markt nach Hallein.

Dann gab’s sooo viele leckere Kuh- und Schafmilchprodukte. Ganz vernarrt bin ich in die Schafmilchröllchen von der Hofkäserei Haslauer in Elsbethen. Das war quasi mein tägliches Mittagessen mit Gemüse aus meinem Garten.

Jeden Freitag betreibt der Greilhof aus dem Lungau einen Stand am Bauernmarkt im Europark. Nur an diesem Tag gibt’s dort ein sensationelles Tauernroggenbrot von einer Lungauer Bäuerin.

 

Essen im Restaurant?

Das war genauso schwierig wie erwartet. Ich habe zwar bewusst Gasthäuser aufgesucht, die (zumindest vordergründig) auf regionale Lebensmittel setzen, aber die Realität holt einen da sehr schnell ein. Am Ende war ich immer froh, wenn die Hauptzutat (meistens Fleisch, Fisch oder Milchprodukte) zumindest aus Salzburg kam. Da habe ich bei Gemüse und Co auch mal ein Auge zugedrückt. Durch meine neu erworbenen Einkaufs-Erkenntnisse kann ich jetzt allerdings sehr gut abschätzen, was überhaupt regional sein kann und was mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Am Ende ist es für die Gastro immer ein Kosten- und Logistikthema. Gasthäuser, bei denen der Großteil der Zutaten aus der Region kommen, kann man eigentlich nicht hoch genug schätzen. Der Extra-Euro ist es hier auf jeden Fall wert.

 

Gesundheitliche Auswirkungen?

Hatte ich eigentlich gar keine erwartet. Umso erfreuter war ich, dass sie eintraten. Ich habe sogar ein bisschen abgenommen. Das hatte im Wesentlichen zwei Gründe:

  1. Mangels Alternativen habe ich manchmal einfach nichts gegessen oder das Essen etwas aufgeschoben. Wo sonst mal schnell ein Riegel oder eine Handvoll Nüsse den Weg in meinen Mund fanden, war erstmal Pause angesagt. Quasi Intervallfasten light. Und das war gut so, denn die Pausen zwischen den Mahlzeiten sind unglaublich wichtig (und für mich manchmal soooo schwer umzusetzen.)
  2. Ich habe nur echte, ehrliche Lebensmittel zu mir genommen: keine Fertigprodukte, keine Süßigkeiten. Da ich mir bei jeder Sache des Aufwands (für mich, für den Bauern, für die Marktleute) bewusst war, haben ich in der Regel sehr langsam und genussvoll gegessen.

Aber es gibt auch ein paar kritische Seiten der rein regionalen Ernährung. Denn bei ein paar Nährstoffen sind wir einfach nicht so gut bestückt: Omega-3 Fettsäuren (Meeresfisch) sind schwierig aufzuholen. Sie wären zwar im Weiderind drin, aber so viel Fleisch esse ich dann doch nicht. Und mit Leinöl tue ich mir einfach schwer (außer ganz frisch von der Salzburger Ölmühle). Auch beim Magnesium machten sich ein paar Mangelerscheinungen bemerkbar. Ich brauch da ziemlich viel und ohne Nüsse und Kerne wird’s dann etwas schwierig für mich. Jod ist so eine Sache, da könnten sich auf Dauer auch ein paar Defizite ergeben.

 

Genuss oder Verzicht?

Einmal kontaktierte mich Elfi Geiblinger, die jahrelang für den ORF von der Schranne berichtete. Sie beklagte, dass meine Challenge den Verzicht so in den Vordergrund stelle. Lustig, ich hatte das gar nicht als solches empfunden. Vielleicht liegt das daran, dass ich im Verzicht auch einen gewissen Lustfaktor sehe. Ich halte es da immer nach dem griechischen Philosophen Epikur, der den Genuss als das höchste menschliche Ziel identifiziert hatte. Epikur war Vegetarier und überzeugt, dass dem höchsten Genuss immer auch der Verzicht vorangeht. Ich denke ein großes Problem unserer Konsumgesellschaft ist die permanente Verfügbarkeit aller Lebensmittel. Wenn man immer alles haben kann, dann gibt es nichts mehr worauf man sich freuen kann. Wer regional und damit zwangsläufig saisonal isst, erfreut sich viel mehr über die ersten Erdbeeren, den frischen Spargel, den Rhabarberkuchen oder die süßen Marillen.

Regional essen heißt aber in erster Linie viel Genuss zu gewinnen. Ich kenne jetzt den Geschmack eines regionalen Hendls, die Vielfalt unserer heimischen Milch- und Schafmilchprodukte und die Süße einer heimischen Melone. Wir leben wahrlich in einem Lebensmittelparadies, das uns vor allem in den Sommermonaten reich beschenkt. Heute schätze ich das noch mehr als früher.

Wie geht’s weiter?

Jetzt, wo ich eingespielt bin aufhören? Natürlich nicht. Das ist wie nach einer Ernährungsumstellung wieder zu den alten Gewohnheiten zurückzukehren. Ein paar Lebensmittel werden zwar wieder Einzug halten in meine Küche, wie Olivenöl, Nüsse oder Meeresfisch, aber meine generellen Einkaufsgewohnheiten bleiben jetzt erstmal. Was der Winter bringt, wird sich zeigen. Vielleicht wird’s dann gerade erst spannend.

Am Ende des Tages habe ich viel gewonnen. Ich bin ein bisschen stolz auf mich und auf unsere heimischen Lieferanten. Ein bisschen schade fand ich, dass ich einfach nicht alle Höfe und Bauern besuchen konnte, die ich mir vorgenommen hatte. Es gibt noch so viel zu entdecken!! Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Vielleicht konnte ich auch ein paar Leute dazu animieren ebenfalls mehr Fokus auf die regionalen Produkte zu legen. Das würde mich freuen. Ich freue mich auch über Eure Erfahrungen zu dem Thema. Schreibt mir doch!!

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